Wenn du dich gerade mit deiner Altersvorsorge beschäftigst, ist dir bestimmt schon aufgefallen: Es tut sich gerade richtig was auf dem Markt. Zum Jahreswechsel fällt die Riester-Rente weg, und ab dem 1. Januar kommt das neue Altersvorsorgedepot. Klingt erstmal nach einer Randnotiz – ist es aber nicht. Denn gerade tobt hinter den Kulissen ein regelrechter Kampf darum, wie du künftig für deinen Ruhestand sparen sollst: über eine App im Alleingang, oder mit jemandem an deiner Seite, der dich berät.
Ich erkläre dir mal, was gerade passiert und warum ich finde, dass es dich betrifft.
Zwei Lager, ein Streit
Auf der einen Seite stehen die sogenannten Neobroker – also Apps, über die du eigenständig, ohne Beratung, in ETF-Sparpläne investieren kannst. Die werden ab Januar ebenfalls staatlich gefördert, also nicht mehr nur die klassischen Produkte von Versicherern und Beratern.
Auf der anderen Seite hat sich jetzt eine ziemlich große Allianz formiert: Der Maklerpool BCA hat zusammen mit Versicherern wie der Bayerischen und Volkswohl Bund, den Fondsgesellschaften Fidelity und Franklin Templeton sowie zwei großen Vermittlerbetrieben den „ThinkTank VorsorgeVertrieb" gegründet. Ihre gemeinsame Botschaft, zusammengefasst in einem Whitepaper: „Nicht einfach klicken!" Sprich: Altersvorsorge ist kein Produkt, das man mal eben in fünf Minuten am Handy zusammenklickt.
Und ganz ehrlich – da ist was dran. Fragen wie „Welche Förderung bekomme ich?", „Wie wird das später besteuert?" oder „Passt das zu meiner Lebenssituation?" lassen sich nicht per Klick beantworten. Das neue Altersvorsorgedepot macht die Entscheidung sogar eher komplizierter als einfacher, weil es plötzlich mehr Auswahl und mehr Fördermöglichkeiten gibt.
Eine Werbeaktion, die ordentlich Aufsehen erregt
Am spannendsten fand ich, wie weit die Bayerische gegangen ist, um das klarzumachen: Nachts haben sie am Münchner Stachus eine eigene Botschaft direkt auf ein Werbeplakat eines Neobrokers projiziert. Über dem Slogan „Bist du besteuert?" stand plötzlich „Bist du beraten?" – mit dem Zusatz: „Altersvorsorge braucht mehr als eine App."
Der Vorstand der Bayerischen, Martin Gräfer, hat das ziemlich treffend formuliert: Man sei ja selbst großer Fan des Kapitalmarkts, aber Altersvorsorge sei eben „kein reines Klickprodukt". Wenn du 30 oder 40 Jahre lang sparst, geht es um wirklich viel Geld – und um Entscheidungen, bei denen es sich lohnt, Kosten, Rendite, Steuern, Förderung und Risiken gemeinsam zu durchdenken, statt nur einen Punkt davon im Blick zu haben.
Auch andere große Namen mischen mit
Nicht nur die Bayerische macht Stimmung – auch Generali und die DVAG haben in derselben Woche ihre Kampagne „Deutschland macht Rente" gestartet. Die Botschaft ist ähnlich: Weil du deine Rentenlücke in der Regel nicht mit einem einzigen Produkt schließt, sondern mit einer Kombination aus mehreren, wird eine gute Beratung eher wichtiger als überflüssig – gerade jetzt, wo die Auswahl größer wird.
Was mir dabei besonders gut gefällt: Die DVAG bringt es auf den Punkt, dass trotz aller KI-Tools im Versicherungsvertrieb persönliche Ansprechpartner wichtiger werden. Weil eben nicht jeder Algorithmus weiß, was in deinem Leben gerade wichtig ist – ob du bald eine Familie gründest, ein Haus kaufst oder in fünf Jahren beruflich nochmal was Neues wagen willst.
Was heißt das jetzt für dich?
Ich will hier keine Werbung für „die Berater" gegen „die Apps" machen – beides hat seine Berechtigung. Wenn du dich gut auskennst, Lust hast, dich selbst reinzufuchsen, und mit den Grundzügen von ETFs vertraut bist, kann ein Neobroker eine günstige und unkomplizierte Lösung sein.
Aber: Wenn du merkst, dass dir Fragen zu Steuern, Förderung oder der richtigen Kombination aus Versicherung und Investment eher Kopfschmerzen bereiten – dann bist du mit einer echten Beratung besser aufgehoben als mit einem schnellen Klick. Gerade beim neuen Altersvorsorgedepot lohnt es sich, das einmal in Ruhe durchzurechnen, bevor du dich festlegst.
Wenn du magst, schauen wir uns gemeinsam an, was für deine Situation am meisten Sinn ergibt.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Beratung. Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie eine Frage zu Ihrer konkreten Situation haben.